Field Data Capture: Wie aus realen Umgebungen digitale Bestandsdaten werden

Germany, Sep 4, 2026

Im ersten Teil unserer Serie rund um Drohnentechnologie, digitale Infrastrukturen und neue Use Cases haben wir gezeigt, warum eine Drohne weit mehr sein kann als ein fliegendes Kamerasystem. Entscheidend ist nicht die Technologie allein, sondern das Zusammenspiel verschiedener Komponenten, aus denen praxistaugliche Lösungen entstehen.

Der nächste Schritt ist die Erfassung relevanter Daten direkt vor Ort. 

Denn bevor aus Daten digitale Modelle, Analysen oder intelligente Anwendungen entstehen können, müssen die relevanten Informationen zunächst zuverlässig aufgenommen werden. Genau hier setzt Field Data Capture an und genau hier beginnt auch unser Ansatz bei der Logicalis: Technologien nicht isoliert zu betrachten, sondern sie zu einer Lösung für einen konkreten Anwendungsfall zu verbinden.

Die Umgebung präzise erfassen

Ob beim Ausbau von Stromnetzen, bei Glasfaserprojekten oder im schienengebundenen Verkehr: Die genaue Kenntnis der vorhandenen Umgebung ist eine wichtige Grundlage für Planung, Dokumentation und spätere Instandhaltung.

Dabei reicht eine klassische Fotodokumentation häufig nicht aus. Gefragt sind präzise, strukturierte und möglichst vollständig erfassbare Daten, die sich anschließend digital weiterverarbeiten lassen.

Beim Field Data Capture kommen deshalb unterschiedliche Aufnahmeverfahren zum Einsatz. Je nach Anwendungsfall können beispielsweise

  • Drohnen mit Kameras und LiDAR-Sensoren,
  • mobile Handheld-Systeme mit LiDAR und GNSS,
  • klassische GNSS-gestützte Messsysteme

miteinander kombiniert werden.

So entsteht ein möglichst detailliertes digitales Abbild der erfassten Umgebung – von einzelnen Objekten bis hin zu größeren Flächen und Anlagen.

Drohne oder Handheld? Entscheidend ist der Anwendungsfall

Eine Stärke des Field Data Capture liegt gerade in der Kombination verschiedener Technologien.

Drohnen ermöglichen die schnelle Erfassung größerer Flächen aus der Luft und können dabei auch Bereiche dokumentieren, die nur schwer oder mit hohem Aufwand zugänglich sind. Mit entsprechenden Sensoren lassen sich dabei nicht nur Bilddaten, sondern auch präzise räumliche Informationen erfassen.

Handheld-Systeme ergänzen diese Perspektive am Boden. Sie eignen sich beispielsweise für die detaillierte Aufnahme von Gebäuden, Anlagen oder Gräben im Tiefbau, bei denen eine bodennahe Erfassung sinnvoller ist.

Aus den unterschiedlichen Aufnahmen können anschließend 3D-Punktwolken erzeugt werden. Diese bilden die räumliche Umgebung digital ab und schaffen damit eine Grundlage für weitere Verarbeitungsschritte – beispielsweise im Rahmen von Scan-to-BIM.

Das Ergebnis ist damit mehr als eine Sammlung einzelner Bilder: Es entsteht eine digitale Repräsentation der realen Umgebung.

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Bestandsdokumentation dort, wo Infrastruktur entsteht

Wie relevant dieser Ansatz ist, zeigt sich insbesondere bei Infrastrukturprojekten.

Beim Ausbau von Glasfasernetzen oder Stromnetzen müssen bestehende Gegebenheiten erfasst und dokumentiert werden. Im schienengebundenen Verkehr wiederum können beispielsweise Bahnsteige, Gleisanlagen oder angrenzende Bereiche digital aufgenommen werden.

Genau solche Anwendungsszenarien standen auch im Mittelpunkt eines mehrtägigen Feldtests auf dem Rescue Campus der FBI GmbH in Amstetten. Dort wurden unterschiedliche Aufnahmeverfahren und Systeme zur Erstellung georeferenzierter 3D-Punktwolken unter realen Bedingungen getestet und miteinander verglichen.

Unter anderem wurde eine Bahnsteigbegehung simuliert, wie sie beispielsweise im Rahmen einer Bestandsdokumentation für Infrastrukturprojekte zum Einsatz kommen könnte. Dafür wurden verschiedene Bereiche des Campus mit unterschiedlichen Systemen erfasst und die Möglichkeiten der jeweiligen Technologien untersucht.

Für uns bei der Logicalis ist dabei besonders relevant, dass es nicht die eine Technologie für jedes Szenario gibt. Gemeinsam mit unseren Partnern betrachten wir deshalb den konkreten Anwendungsfall und prüfen, welche Kombination aus Drohne, Sensorik und Vermessungstechnologie die jeweiligen Anforderungen am besten erfüllt.

Der Feldtest hat dabei vor allem eines gezeigt: Die passende Erfassungstechnologie hängt immer vom konkreten Einsatzszenario ab.

Vom einzelnen Sensor zum durchgängigen Prozess

Field Data Capture beginnt deshalb nicht erst mit dem Start einer Drohne. Eine belastbare Bestandsdokumentation erfordert einen durchgängigen Prozess – von der Auswahl der passenden Sensorik über die eigentliche Datenerfassung bis hin zur Aufbereitung der gewonnenen Informationen.

Dabei spielen unter anderem folgende Fragen eine Rolle:

Was soll erfasst werden?
Welche Objekte, Flächen oder Infrastrukturen müssen dokumentiert werden?

Welche Technologie ist dafür geeignet?
Reicht eine kamerabasierte Aufnahme aus oder werden zusätzliche LiDAR- und GNSS-Daten benötigt?

Wie lassen sich unterschiedliche Datenquellen zusammenführen?
Drohne, Handheld und Vermessungssystem liefern jeweils unterschiedliche Perspektiven und Informationen.

Wie werden die Ergebnisse weiterverwendet?
Eine Punktwolke ist zunächst ein Datensatz. Ihren tatsächlichen Mehrwert entfaltet sie erst, wenn sie in nachgelagerte Prozesse und Anwendungen integriert werden kann.

Genau diese Verbindung von Aufnahme, Verarbeitung und Nutzung macht aus einzelnen Messungen einen belastbaren digitalen Bestandsprozess.

Technologie für kritische Infrastrukturen

Gerade bei kritischen Infrastrukturen kommt es dabei nicht nur auf die Qualität der Daten an. Auch die eingesetzte Technologie selbst muss den Anforderungen des jeweiligen Umfelds entsprechen.

Bei unserem gemeinsamen Projekt mit der FBI GmbH und Emqopter kommt deshalb unter anderem eine in Deutschland entwickelte und produzierte Drohnenplattform zum Einsatz. Die modulare Entwicklung von Emqopter ermöglicht es, die Drohne an unterschiedliche Anforderungen und Einsatzszenarien anzupassen.

Das eröffnet Perspektiven für Anwendungen, bei denen robuste und flexible Systeme gefragt sind – beispielsweise in der Dokumentation und Inspektion von Infrastruktur.

Vom Technologiebaustein zur Lösung

Genau hier liegt der Mehrwert unseres Ansatzes bei der Logicalis: Wir betrachten Field Data Capture nicht als isolierte Drohnenanwendung, sondern als Teil eines größeren Lösungsprozesses.

Von der Auswahl geeigneter Sensorik über die Erfassung und Aufbereitung der Daten bis hin zur späteren Integration in bestehende IT- und Infrastrukturumgebungen betrachten wir die einzelnen Bausteine im Zusammenhang.

Der Feldtest auf dem Rescue Campus hat dabei gezeigt, wie unterschiedlich die Anforderungen je nach Einsatzumgebung sein können. Für uns ist genau diese praktische Erprobung entscheidend, um aus einzelnen Technologien Lösungen zu entwickeln, die sich auf reale Kundenanforderungen übertragen lassen.

Und damit ist der Prozess noch nicht abgeschlossen

Mit der Erstellung einer 3D-Punktwolke ist der Prozess jedoch noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Sie bildet den Ausgangspunkt für die nächsten Schritte.

Wie lassen sich die erfassten Daten speichern, weiterverarbeiten und somit für KI nutzbar machen? Wie können daraus digitale Modelle und neue Anwendungen entstehen? Und welchen Mehrwert können die gewonnenen Informationen für Planung, Analyse und weitere Prozesse bieten?

Gleichzeitig zeigt sich: Eine solche Lösung besteht aus mehr als Datenerfassung und Datenverarbeitung. Auch die zuverlässige Vernetzung und der langfristige Betrieb der eingesetzten Systeme spielen eine entscheidende Rolle.

Damit zeigt sich: Field Data Capture ist weit mehr als die reine Datenerfassung. Es ist ein wichtiger Baustein, um reale Umgebungen digital abzubilden – und damit die Grundlage für die nächsten Schritte zu schaffen.

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